dieses mal kein fachartikel.
dieses mal ist es etwas persönliches.
markus cerenak hat mich hier mit seiner form der blog-parade aus der reserve gelockt.
es geht um die frage „warum?“.
die frage nach meinem „warum ich tue, was ich tue“ habe ich mir das erste mal in 2010 (mit 39 — autsch) gestellt.
damals wurde unser sohn geboren. ich denke, bei so einem lebensereignis fangen viele an nachzudenken — zumindest war es bei mir als sonst wenig selbstreflektierenden menschen so. da habe ich mich zwangsläufig gefragt, wie ich denn als vorbild aussehe. bin ich vorbild, wenn ich den großteil meiner zeit in meiner internetagentur verbringe und mitarbeitern jobs zurufe? ja klar, es gibt sinnfreiere tätigkeiten als für (durchaus sehr angenehme) kunden websites zu planen und umzusetzen. mich persönlich hat das in eine sinnkrise gestürzt — „wie will ich weitermachen?“. glücklicherweise haben sich wege aufgetan, für die ich vorher viel zu abgelenkt war.
über podcasts und mindsets
wirklich „erleuchtend“ für mich war, wie sich durch das hören von podcasts mein horizont massiv erweitert hat. gerade amerikanische und australische podcasts, die ich bei meinen täglichen runden mit unseren 2 hunden gehört habe, veränderten meine sich auf mein business. ich habe auf einmal mehr von aussen darauf geschaut und bin nicht im operativen tagesgeschäft versumpft. das war eine abgefahrene wandlung in der art, wie ich über meine arbeit nachdachte. ich habe langsam verstanden, dass ich mit meinem zeit-gegen-geld modell nicht mehr weit komme, es sei denn, ich lasse meine agentur weiter wachsen (was für mich definitiv nicht in frage kam). aufträge und möglichkeiten hätte es genug gegeben. aber das wollte ich nicht. stattdessen habe ich 2013 meine agentur wieder auf mich reduziert und fange so langsam an zu verstehen, wo ich eigentlich hin will. und ich beginne zu verstehen, dass es auf dauer keinen sinn macht, dem allgemeinen modell von arbeit hinterher zu rennen. der (für mich immernoch unsägliche) begriff des „lifestyle business“ wurde langsam von mir besser verstanden: ich kann die beste/wertvollste arbeit leisten, wenn sich meine arbeit um mein leben anordnet nicht mein leben um meine arbeit. ich weiss nicht, ob du das kennst, aber du hörst etwas 1.000 mal und dann auf einmal hat es bedeutung für dich.
neuausrichtung
ich bringe 15 jahre lang erfahrung mit der umsetzung von websites auf die waage und damit das wissen den kunden die richtigen fragen zu stellen und ihnen dinge zu verkaufen, die sie wirklich brauchen und nicht welche, die sie haben wollen. ich weiss mittlerweile, dass es kunden interessiert, wie sie ihre website voranbringen und dass sie sich (zu recht) einen feuchten kehricht dafür interessieren, ob das nun mit html 4.01, html5, ajax, js, java, php oder sonstwelchen technologien umgesetzt wurde. die website muss ihren zweck erfüllen und gut aussehen. fertig.
so wurde ich im laufe der letzten jahre vom webdesigner, der jedes pixel umherschubsen wollte zu jemandem, dem die pixel wurscht sind. wichtig wurde mir, dass der kunde mit seiner website etwas erreicht. allerdings ist es häufig so, dass die website nach wie vor bei 99% der firmen mehr prospekt-zwecke erfüllt und weniger geschäftsmodell oder verkaufsmotor ist.
für meine jetzige zielgruppe — also den autoren, coaches, beratern, trainern, künstlern, journalisten, textern, einzelkämpfern – erfüllt die website immer mehr die rolle des verkäufers. sie wird zur ausgelagerten präsenz des trainers/coaches/beraters – zur persönlichen darstellung der- oder desjenigen. hier kann ich mehr für meine kunden erreichen und mich mehr einbringen, als ich es vorher konnte. mein ziel hier ist die hilfe zur selbsthilfe — so dass ich mich nach kurzer zeit überflüssig mache oder meine persönliche präsenz und erreichbarkeit generell nicht erfoderlich ist.
aber ich schweife ab.
mein warum.
darum ging es ja.
wahrnehmen, wo man/ich eigentlich hin will
ich habe gemerkt, dass ich bei beratungen von bloggern usw. dazu neigte in einem redeschwall zu enden und meinem gegenüber die ohren bluten zu lassen vor inhalten und möglichkeiten. ich habe realisiert: das ist meine richtung, in die ich möchte.
ich merke aktuell, dass viele dinge, die mir liegen und leicht von der hand gehen, von anderen als sehr mehrwertig eingeschätzt werden. das gefühl für die wertigkeit der inhalte habe ich völlig verloren, weil es für mich selbstverständliche dinge sind, die ich seit zig jahren im internet beherzige.
ich sehe meine aufgabe auch mehr darin ein gefühl dafür zu vermitteln, was wie online machbar ist und sinnvoll und nicht über alle technischen details aufzuklären, die niemanden (ausser webdesigner/-developer) interessieren.
also ich merke, dass ich andere auf ihrem „online-weg“ voranbringen will und kann. und dass es mir ein bedürfnis ist, ihnen die mittel in die hand zu geben, online erfolgreich zu sein. nicht mehr nur lokal zu denken, sondern sich ins internet zu stellen und zu sagen „hier bin ich und das kann ich für dich tun“. das internet macht eine lokal kleine zielgruppe zu großen zielgruppe, die ich online auch voranbringen kann mit meinen inhalten.
die online-möglichkeiten begeistern mich jetzt wie 1994 unverändert, als ich das erste mal online gegangen bin.
das internet bietet mir die möglichkeit, zeit- und ortunabhängig zu arbeiten. ein unschätzbarer vorteil gegenüber der lokalen, agenturgebundenen arbeit. telefonische erreichbarkeit und terminliche verfügbarkeit. online bietet mir die möglichkeit, mein wissen verfügbar zu machen, ohne dass ich und meine zeit zwangsläufig mit dranhänge. persönliche präsenz wird durch virtuelle auf facebook, youtube, blog usw. größtenteils ersetzt. meine erfahrung wird für menschen zugänglich, die sich eine persönliche beratung vielleicht nicht leisten können oder die sich die dinge lieber unter anleitung selbst erarbeiten möchten.
warum nun tue ich, was ich tue?
ich will
- für mich und meine kleine familie da sein (ja, ich stehe an erster stelle — „der esel nennt sich selbst zuerst“ ist einer dieser kontraproduktiven glaubenssätze …)
- meine kunden durch bereitstellung von online-produkten (ekurse, ebooks, …) voranbringen
- nicht auf teufel komm raus erreichbar sein müssen
positiv formuliert: erreichbar sein, wenn ich erreichbar sein will - mich nicht an meinen arbeitsplatz gebunden fühlen
positiv formuliert: asynchron und ortsunabhängig arbeiten - mit den menschen zusammenarbeiten, die zu mir passen und zu denen ich passe (in so einem verhältnis entstehen gute leistungen und sinnvoll verbrachte lebenszeit)
- mir die jobs und kunden aussuchen, die zu mir passen und wo ich wirklich mehrwert bieten kann
(vor kurzem hätte ich das noch als arrogant bezeichnet — aber es geht mir um meine lebenszeit und nicht darum auf biegen und brechen mit allem und jedem geld zu verdienen)
ich merke, dass ich mich voranstellen muss.
dabei muss ich gegen einige antrainierte glaubenssätze ankämpfen:
- ich muss doch alles machen, was mir aufgetragen wird
- ich muss immer erreichbar sein
- ich muss auf alles und jeden reagieren
- ich muss jedem gefallen
nein, ich muss nicht.
ich bin sicher noch am anfang meines weges, aber ich kenne jetzt meine richtung.
und das fühlt sich gut an.
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